Zwischen Verantwortung, Neuanfang und Hoffnung
Warum ich diesen Weg weitergehe – und warum ich jetzt Unterstützung brauche
Manche Texte schreibt man nicht, weil man es möchte, sondern weil sie notwendig sind. Dieser gehört dazu. Nicht als Rechtfertigung, sondern als ehrliche Einordnung dessen, was hinter meinen letzten Jahren steckt und warum ich mich entschieden habe, jetzt offen um Unterstützung zu bitten.
Seit über 14 Jahren bin ich selbstständig, seit 2013 gibt es das Vika Lädchen. Was als kleiner Laden begann, ist über die Jahre zu einem Ort geworden, der weit mehr ist als nur ein Geschäft: ein Raum für ehrliche Begegnung, Gespräche, Zuhören und Menschlichkeit. Ein Ort für kuratierte Produkte, nachhaltige Projekte, Vielfalt und „Schönes für die Seele“. Für viele ein vertrauter Platz – für mich tägliche Verantwortung und ein fester Teil meines Lebens.
Viele von euch begleiten diesen Weg schon lange. Ihr habt Krisen, Umzüge, Neuanfänge, Rückschläge und Entwicklungen miterlebt. Dafür bin ich sehr dankbar!
Wie alles anders kam als erhofft
Die Corona-Zeit haben wir gut überstanden – dank eurer Treue und mithilfe staatlicher Gelder. Was sich erst in den Jahren 2023/2024 herausstellte, war jedoch: Diese Hilfen müssen vollständig zurückgezahlt werden. Die damaligen Zusagen wurden im Nachhinein geändert. Die Mittel waren längst vollständig ins Unternehmen geflossen.
Was dabei oft übersehen wird: Für inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte gibt es keine Auffangmechanismen wie für große Konzerne. Keine Rettungsschirme. Keine Sicherheitsnetze. Wenn es eng wird, trägt man die Verantwortung allein.
Nach Corona folgte kein Aufschwung, sondern ein massiver Umsatzeinbruch. Um nicht aufzugeben, habe ich mich bewusst fürs Investieren entschieden: größere Räume, Mitarbeitende, der Aufbau eines zukunftsfähigen Ortes. Entwicklung statt Stillstand. Die laufenden Kosten stiegen – mit dem Ziel, Stabilität zu schaffen.
Kurz darauf folgte jedoch die nächste Zäsur: eine große Baustelle mit Vollsperrungen direkt vor dem Laden. Über mehr als ein Jahr – von September 2023 bis Oktober 2024 – war die Erreichbarkeit stark eingeschränkt oder zeitweise gar nicht gegeben. Obwohl die Baustelle lange bekannt war, wurden wir nicht vorab informiert. In einer sensiblen Aufbauphase war das existenzbedrohend. Der Umsatz brach erneut massiv ein. Jeden Monat waren die Ausgaben höher als die Einnahmen, wodurch die ersten Engpässe entstanden.
Noch währenddessen kam die nächste Katastrophe hinzu: der geforderte Auszug aus den Räumlichkeiten, in die wir viel Geld investierten - und wie sich dann rausstellte: ohne Achtung dessen für die Katz.
Wenn alles zusammenkommt
Parallel dazu summierten sich weitere Belastungen: Rückzahlungen, zusätzliche Abgaben, Fehlberatungen mit zeitverzögerten Folgen, hohe Zusatzkosten durch Auszug und Umzug, ein unverschuldeter Autounfall mit einer daraus resultierenden Mehrwertsteuerforderung sowie notwendige rechtliche Klärungen.
Wenn mehrere große Herausforderungen gleichzeitig auf dich zukommen, wird es unmöglich, Rücklagen zu bilden oder finanzielle Puffer aufzubauen. Eine einzelne Krise ist oft stemmbar – eine Lawine aus vielen nicht.
Trotz intensiver Bemühungen um neue Räume erhielt ich ganze acht Absagen, obwohl Businessplan, Zahlen und die Situation offen gelegt wurden. Doch Menschen mit Visionen unterstützt man in hier oft nur, wenn finanzielle Aspekte vorhanden sind oder den Zuständigen in den Kram passen.
Das Worst-Case-Szenario
Zwischen dem 31.10.2024 und dem 25.06.2025 gab es keinen stationären Laden mehr. Der Verkauf von zu Hause brachte kaum Umsatz, während viele Kosten weiterliefen. Diese Zeit habe ich genutzt, um das Unternehmen grundlegend aufzuarbeiten: ein neuer, zukunftsfähiger Onlineshop entstand, da der alte technisch nicht mehr tragfähig war. Intern wurde vieles neu sortiert: Sortimentswechsel, Strategieaufbau, Prozessoptimierung und die Aufarbeitung der Buchhaltung mehrerer Jahre, nachdem sich frühere steuerliche Begleitungen als nicht ausreichend tragfähig erwiesen hatten und teils sogar noch massiv geschäftsschädigend zeigten. Auch persönlich habe ich mich tiefgehend mit all dem auseinandergesetzt.
Ein Neuanfang – mit alten Lasten
Seit dem 25.06.2025 gibt es nun wieder einen kleinen Laden in Weinböhla. Bewusst kleiner, mit geringen Investitionen und einer wohlwollenden Vermietung. Der Laden läuft gut an, der Umsatz kommt zurück, die Resonanz ist durchweg positiv. Das Unternehmen trägt sich fast wieder.
Was jedoch bleibt, sind die Altlasten aus den vergangenen Jahren. Steuernachzahlungen, Rückzahlungen von Corona-Hilfen und weitere Verpflichtungen laufen weiter mit. Alles, was aktuell erwirtschaftet wird, fließt nahezu vollständig in diese Themen. Es fehlt nicht an Einsatz, Ideen oder Arbeit – sondern an Luft und Handlungsspielraum.
- Steuerrückzahlungen ca. 7.000 €,
- Corona-Rückzahlungen ca. 10.000 €,
- Lohnkosten Minijobzentrale 2.200 €,
- Beiträge zur Krankenkasse 1.700 €,
- Rechtsanwaltskosten 5.000 €,
- Steuerberatungskosten 1.500 €,
- Hinzu kommt eine Mehrwertsteuerforderung aus einem unverschuldeten Autounfall ca. 3.800 €
- sowie weitere kleinere Verbindlichkeiten aus Waren, Versorgerkosten und laufenden Krediten in Summe ca. 60.000 €
Zur Einordnung der 91.000 €
Die genannte Summe ist keine Einmalzahlung. Sie beschreibt die Gesamtheit aller offenen Posten, die sich über mehrere Jahre aufgebaut haben: aus Steuern, Rückzahlungen, laufenden Verpflichtungen und kleineren Verbindlichkeiten. Konkret geht es um Raten, fällige Teilbeträge und die reale Gefahr einer (vorläufigen) Zahlungsunfähigkeit, wenn diese nicht eingehalten werden können.
Es geht nicht darum, dass das Geschäft nicht funktioniert – sondern darum, dass alte Belastungen den Neuanfang ausbremsen.
Warum „einfach schließen“ keine Lösung ist
Eine Schließung würde diese Probleme nicht lösen. Die Schulden verschwinden dadurch nicht. Einnahmen würden wegfallen, Arbeitsplätze gingen verloren und die Situation würde sich weiter verschärfen. Für kleine Unternehmen gibt es kein Sicherheitsnetz. In meinem Fall ist Weitermachen verantwortungsvoller als Aufgeben.
Warum ich an diesen Weg glaube
Der neue Laden wird angenommen, der Zuspruch von Kunden, Mitarbeitenden, Kolleginnen, Freunden und Familie trägt. Nicht das Konzept ist gescheitert, sondern viele unglückliche Umstände sind zusammengekommen.
Ich glaube aus voller Überzeugung an inhabergeführten, kuratierten Einzelhandel. An Orte, die mehr sind als Verkaufsflächen. Und ich glaube daran, dass gemeinsamer Zusammenhalt mehr bewegt als Schuldzuweisungen oder Gegenstimmen.
Diese Erfahrung prägt auch meine Vision für die Zukunft: Strukturen zu schaffen, die Menschen auffangen, bevor sie fallen. Orte und Modelle, in denen Verantwortung nicht allein getragen werden muss und Gemeinschaft mehr Raum hat als Konkurrenzdenken.
Warum Hilfe jetzt so wichtig ist
Wenn es in den kommenden Monaten nicht gelingt, finanzielle Stabilität zu schaffen, droht die endgültige Schließung – und die Schulden würden dennoch bleiben. Der Spendenaufruf ist der Versuch, Zeit, Luft und Handlungsspielraum zu gewinnen, um die Altlasten Schritt für Schritt abzubauen und den Neuanfang wirklich tragfähig zu machen.
Unterstützung kann vieles sein: ein Einkauf, eine Bestellung, das Teilen des Aufrufs oder eine Spende. Was hilft, sind keine Annahmen oder Bewertungen, sondern reale Unterstützung.
👉 Den Spendenaufruf mit allen Details findest du hier.
Die überwiegend positive Resonanz zeigt mir: Viele teilen diese Werte. Viele kennen ähnliche Situationen. Und gemeinsam lässt sich dort etwas bewegen, wo Systeme oft zu kurz greifen.
Danke fürs Lesen.
Danke fürs Hinschauen.
Danke, dass du diesen Weg auf deine Weise mitgehst.
Herzlichst,
Schirin Breiter